Das Anakondagift-Problem
Warum mir Recherche für meine Geschichten so wichtig ist
Hallo Welt!
Über das heutige Thema wollte ich schon etwas länger sprechen, allerdings hatte ich bisher nie den richtigen Einstieg dafür. Das lag hauptsächlich an einem Phänomen, das ich nie gut benennen konnte. Bis jetzt!
Dank dem Substack von Literaturkritik habe ich jetzt einen wunderbaren Namen für mein Thema. Das Anakondagift-Problem!
Lasst mich kurz erklären, wie ich darauf kam. In Jannis’ neuster Ausgabe der Literaturkritik bespricht er zur Abwechslung mal keinen Klassiker der Weltliteratur, sondern den berühmten Comic-Band Batman: Year One.
Ich möchte hier jetzt nicht seine gesamte Analyse der Geschichte wiedergeben (schaut am besten selbst mal rein, es lohnt sich!), ein Punkt hat mich allerdings sofort abgeholt. Jannis spricht die wohl nicht selten vorkommenden faktischen Fehler in der Handlung an, insbesondere das Anakondagift. Ich zitiere seinen Absatz:
Hinzu kommen faktische Fehler, die bei minimaler Recherche vermeidbar währen. Ein besonders eklatantes Beispiel: Die Erwähnung von „Anakondagift“. Anakondas sind Würgeschlangen und haben kein Gift. Solche Fehler mögen nebensächlich erscheinen, untergraben aber die Glaubwürdigkeit der Erzählung. Wenn grundlegende Fakten nicht stimmen, warum sollte man der Geschichte in komplexeren Fragen vertrauen?
Wer traut deiner Geschichte denn einen Mehrwert in komplexen Fragen zu, wenn sie Fehler enthält, die mit einer simplen Google-Anfrage vermieden wären? In den 80er hatten Frank Miller & Co. kein Internet wie wir heute, aber der Punkt der Recherche bleibt bestehen.
Vielleicht haben einige von euch nicht gewusst, das Anakondas Würgeschlangen sind und es wäre euch einfach egal gewesen, doch hier geht es nicht nur um Fachwissen über Reptilien. Nicht jede/r Leser/in ist Herpetologe/in (= Experte für Amphibien und Reptilien), doch er wird in nahezu jeder Geschichte Bereiche und Themen finden, mit denen er sich zumindest ein wenig auskennt. Und wenn der/der Autor/in dann solche gravierenden Fehler macht, reißt das den Leser völlig aus der Geschichte und zerstört das Vertrauen in ebenjene. Womöglich wird die Geschichte bei besonders schlimmen Fällen sogar abgebrochen und nie wieder ein Buch derselben Person in die Hand genommen.
Ihr bemerkt vielleicht, das sind Fehler, die ich bei meinen Geschichten unbedingt vermeiden möchte. Jetzt kann ich natürlich nicht in jedem Gebiet Experte werden, doch das ist überhaupt nicht nötig. Bei nicht wenigen Details reichen Wikipedia-Artikel oder Online-Lexika vollkommen aus, um zum Beispiel den Fachbegriff für Experten von Amphibien und Reptilien benennen zu können oder eine gute Beschreibung einer gewissen Pflanzenart zu finden.
Während ich an Der Wald der Padan geschrieben habe, hatte ich regelmäßig Tabs mit Saisonkalender für Obst, Gemüse, Nüsse und Pilze sowie diverse Seiten bezüglich dem Lebensraum verschiedenster Bäume offen. Ich wollte unbedingt vermeiden, dass meine Schauplätze falsch oder unglaubwürdig wirken.
Die allermeisten Leser werden es nicht groß beachten, doch irgendwo gibt es diesen einen begeisterte Pilzsammler und der sich freut, wenn eine Figur Pfifferlinge unter einer Fichte findet (dort wachsen diese nämlich sehr gerne) und nicht unter einem x-beliebigen anderen Baum, mit dem Pfifferlinge keine symbiotische Beziehung eingeht.
Vielleicht steigere ich mich ein wenig zu sehr in dieses Thema rein, wahrscheinlich ist es den meisten Lesern egal und sie wollen einfach nur eine spannende Geschichte.
doch ich als Autor möchte nicht, dass sich Leser von meinen Geschichten abwenden, weil sie von Anakondagift lesen und zufällig kurz vorher den Netflix-Film “ANACONDA” mit Jack Black & Paul Rudd gesehen haben und wissen, dass es sich dabei um giftlose Würgeschlangen handelt.
Deshalb stecke ich lieber noch einmal ein paar mehr Stunden Arbeit in mein Manuskript und recherchiere auch solche nebensächlichen Details. Nur dann habe ich das Gefühl, eine wirklich gute Geschichte geschaffen zu haben.
(KEINE) Empfehlung
Bewerbungen schreiben.
Jap, es ist so weit. Mein Vertrag läuft bald aus und ich muss mich um meine berufliche Zukunft kümmern. Bisher hatte ich das Glück, immer durch Kontakte ohne großen Bewerbungsprozess an meine Promotionsstelle, sowie meine Minijobs als Student zu kommen. Nun muss ich leider während der Dissertation auch noch Bewerbungen schreiben… yay!
Ich wusste bereits, dass das Bewerbungen niemandem Spaß machen (außer für eine gewisse Person, die genau weiß, dass sie gemeint sind, sobald sie das hier liest 😉), aber das es so viel Zeit verschlingt, dachte ich auch nicht.
Dieses Honig ums Maul schmieren und die dauerhafte Selbstbeweihräucherung in den Anschreiben geht mir auf die Nerven, aber sobald ihr das hier lest, habe ich die ersten Bewerbungen (hoffentlich) fertig und abgeschickt, mit etwas Glück muss ich keine Dutzende davon erstellen, so wie es mir von Kollegen schon prophezeit wurde.
Hoffentlich habe ich dann wieder Zeit für meine eigentliche Arbeit und die Dinge, die mir Spaß machen, wie das Schreiben von Geschichten.
Habt ihr schon viele Bewerbungen schreiben müssen? Hattet ihr Spaß dabei oder seid ihr auch normale Menschen? 😂
Wörtersaat
Projekt 1: Der Wald der Padan
Zwischenstand: wird 2026 veröffentlicht 🥳😍
Aus den oben genannten Gründen komme ich nur schleichend voran, aber es geht voran! Gefühlt sitze ich schon eine Ewigkeit an der Überarbeitung, aber da andere Veröffentlichungen die Verlegerin gerade auf Trab halten, ist sie womöglich froh, dass ich ihr nicht ungeduldig im Nacken sitze.
Projekt 2: Sintara
Zwischenstand: 19.217 Wörter 💪
Leider kein Fortschritt, wie ich es prophezeit hatte. Im Mai werde ich viel an meiner Dissertation schreiben, also mal sehen, ob ich die Kapazitäten hab, mich regelmäßig auch an Sintara zu setzen. Besonders ärgert mich, dass ich kurz vor dem Ende eines Kapitels stehe, das hätte ich gerne noch abgeschlossen.
Projekt 3: Kurzgeschichten
Die Deadline im April für die ersten der beiden angedachten Geschichten habe ich nicht einhalten können, das war mir eigentlich schon seit Wochen klar. Bis Ende Juli habe ich Zeit, meine zweite geplante Geschichte (geplottet ist sie immerhin schon), umzusetzen. Ich rede mir einfach mal ein, das ist noch genug Zeit und schiebe sie weiterhin auf die lange Bank 😅
Das war es von mir für diesen Monat in einer etwas kürzeren Ausgabe als sonst.
Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!
Marcel
Titelbild: Jan Kopřiva @ Unsplash


