Timmy und Herr Obermeyer
Eine kleine Geschichte, die mir beim Schneeschippen eingefallen ist
Hallo Welt,
willkommen zur Februarausgabe des Wörterwalds. Heute gibt es eine kleine Geschichte, die mir während den schneeweißen ersten Wochen des neuen Jahres eingefallen ist, während ich mich mit ebenjenem in unserer Einfahrt herumschlagen musste.
Ich hatte eigentlich etwas anderes geplant, aber sie passt einfach zu gut in diese Jahreszeit. Nächsten Monat wäre sie vielleicht schon… Schnee von gestern 😂
Sorry.
Die Geschichte ist nicht perfekt und war in zwei Sessions zügig heruntergeschrieben, aber ich wollte die Idee einfach umsetzen.
Viel Spaß beim Lesen:
Timmy und Herr Obermeyer
Immer wenn es schneite, freute sich der kleine Timmy.
Nicht nur, weil er dann mit seinen Freunden Schlittenfahren gehen oder zusammen Schneemänner bauen konnte. Nein, denn immer wenn es schneite, mussten die Einfahrten und Gehwege in seiner Straße vom Schnee befreit werden. Seine Nachbarn waren stets froh, wenn Timmy ihnen diese lästige Arbeit abnahm und gaben ihm zum Dank Süßigkeiten oder Geld, dass er dann beim Kiosk für noch mehr Süßigkeiten ausgeben konnte.
Als Timmy eines Morgens aus dem Fenster sah und alles unter einer weißen Decke verborgen war, machte er sich voller Vorfreude ans Werk. In dicken Winterklamotten eingepackt und mit einer großen Schneeschaufel bewaffnet, stapfte er zu seinem ersten Nachbar.
Herr Obermeyer wohnte gleich gegenüber. Er war ein knausriger Kerl, der in der Stadt für eine Bank arbeitete. Er hatte immer etwas zu meckern hatte, doch für Süßigkeiten war das Timmy egal. Weil die Einfahrt von Herr Obermeyer so groß war, wollte er sie gleich zu Beginn räumen, wenn er noch viel Kraft hatte.
Also stürzte Timmy sich voller Elan auf den Schnee. Schippe um Schippe kam das Pflaster unter dem Weiß zum Vorschein. Bald schon entstand ein großer Haufen, auf dem Grünstreifen daneben, die Einfahrt war dafür vollständig schneefrei.
Freudestrahlend klingelte Timmy bei Herr Obermeyer. Dieses Mal konnte selbst der nicht meckern. Beide Garagentore waren frei, falls er dringend in die Bank musste.
Die Tür öffnete sich einen Spalt und zwei winzige Augen fixierten Timmy misstrauisch hinter einer dicken Hornbrille.
“Ja, bitte?” fragte Herr Obermeyer.
“Guten Morgen, Herr Obermeyer” sagte Timmy. Er hatte gelernt, dass er meist mehr Süßigkeiten bekam, wenn er höflich zu seinen Nachbarn war. Auch zu denen, die er eigentlich nicht mochte. “Es hat nachts geschneit und ich habe den Schnee von ihrer Einfahrt geräumt. Jetzt können Sie wieder in die Stadt fahren.”
Herr Obermeyer musterte die besagte Einfahrt mit gerunzelter Stirn. “Das hatte ich nicht in Auftrag gegeben” sagte er bestimmt.
“Das ist kein Problem” entgegnete Timmy. “Ich mache das doch gerne. Wissen Sie, viele der Nachbarn geben mir dafür Süßigkeiten oder ein paar Münzen für das Kiosk.”
Frau Fischer, eine nette alte Dame, die drei Häuser weiter wohnte, gab Timmy oft ein Stück frischgebackenen Kuchen mit. Ihm lief bereits das Wasser im Mund zusammen, wenn er nur daran dachte.
Von Herr Obermeyer würde er sicherlich keinen Kuchen bekommen. Aber vielleicht hatte er ja etwas Geld für ihn. Immerhin verdiente er sehr gut in der Bank und besaß zwei teure Autos.
Die Tür öffnete sich ganz und Herr Obermeyer trat heraus. Er trug einen teuren Anzug und hielt einen dicken Koffer in der Hand.
“Ich bitte darum”, sagte er und schloss die Tür hinter sich, “in Zukunft nicht mehr ohne Erlaubnis mein Grundstück zu betreten. Ich wünsche einen schönen Tag.” Er rückte seine Brille zurecht und schritt erhobenen Hauptes an Timmy vorbei zu seiner Garage. Kurz darauf brauste er viel zu schnell die Straße entlang.
Timmy kochte vor Wut.
Da hatte er so gute Arbeit geleistet und auch noch so schnell… Nicht einmal bedankt hatte Herr Obermeyer sich.
Dem zahlte er es heim. Aber wie?
Darüber grübelte er nach, während er sich dem nächsten Grundstück widmete.
Seine Schaufel fuhr in das pappige Weiß, er hob sie an und war im Begriff den Schnee wie immer auf den Grünstreifen zu werfen, als er innehielt. Er hatte eine Idee.
Herr Obermeyer wollte anscheinend nicht, das seine Einfahrt vom Schnee befreit wurde. Also warum brachte Timmy ihm dann nicht den Schnee zurück?
Mit einem Grinsen auf den Lippen rannte Timmy zurück zu seinem Haus und holte eine Schubkarre. Sie war groß und schwer, doch er war schon groß genug um mit ihr zu fahren. Und Schnee wog nicht so viel wie das Holz, dass der Papa damit immer umherschob.
Er belud die Schubkarre fleißig mit Schnee aus den Einfahrten seiner Nachbarn und fuhr sie zu Herr Obermeyers Haus. Dort lud er alles vor dessen Einfahrt, denn betreten sollte er dessen Grundstück ja nicht mehr.
Nach und nach räumte Timmy die Straße frei und platzierte den ganzen Schnee vor Herr Obermeyers Haus. Dafür bekam er Geld, Süßigkeiten und ein Stück Apfelkuchen von seinen Nachbarn. Noch nie hatte ihm das Schneeschippen so viel Spaß gemacht.
Schon bald lag vor Herr Obermeyers Haus ein großer Haufen, so groß wie Timmy und so lange wie die ganze Einfahrt. Timmy nahm sich kurz die Zeit und baute eine schmale Auffahrt aus dem dicken Schnee, damit er mit dem Schubkarren auf den Haufen fahren und ihn noch höher werden lassen kann.
Drei Stunden später sah Timmy erschöpft, aber glücklich aus dem Fenster. Er hatte geduscht und eine Tasse mit heißen Tee in der Hand.
Alle Einfahrten in der Straße waren blitzeblank, selbst die Grünstreifen waren nur von einer dünnen Schicht Schnee bedeckt. Außer vor Herr Obermeyers Haus, denn dort erhob sich eine Wand, so groß wie ein Erwachsener und versperrte jeglichen Zugang zu seiner Garage.
Er hörte ihn schon zwei Straßen weiter, denn Herr Obermeyer fuhr selten langsam. Wie erwartet, schoss er mit Schwung um die Kurve, brauste die Straße entlang… um mit quietschenden Reifen wenige Zentimeter vor der Schneewand zum Stehen zu kommen.
Mit hochrotem Kopf stieg er aus und betrachtete das Hindernis genauer. Timmy konnte nicht hören, was er sagte, doch er gestikulierte wild und raufte sie die Haare.
Zornig trat Herr Obermeyer nach dem Schnee, doch der war inzwischen so fest, dass sein Fuß stecken blieb und er ins Straucheln kam. Dabei fiel ihm die dicke Hornbrille von der Nase. Minutenlang kroch er auf der Straße herum und suchte sie, bevor er seinen Koffer holte, das Auto abschloss und mit Mühe über den Schneehaufen auf sein Grundstück kletterte.
Timmy lächelte und nahm einen Schluck von seinem Tee. Er mochte den Winter.
Empfehlung
Mein Instagram, denn dort werde ich trotz meiner Abneigung gegen soziale Medien versuchen, aktiver zu sein.
Ich habe beschlossen, dieses Jahr ein bisschen mehr Reichweite für den Wörterwald und meine (bisher überschaubaren) Veröffentlichungen zu generieren.
Der Hauptgrund dafür ist simpel: Mehr Aufmerksamkeit für meine Veröffentlichungen, allen voran Der Wald der Padan. Zu meinen Kurzgeschichten wird mir bestimmt auch noch etwas einfallen.
Ich habe keine Zeit für eine groß angelegte Kampagne, aber für den ein oder anderen Instagram-Beitrag und einige Notes hier auf Substack wird es wohl reichen. Ein klares Konzept habe ich dafür nicht, also mal sehen, was ich in den nächsten Wochen so zusammenbastele.
Eine wichtige Sache habe ich dafür schon: Hübsche Bilder.
Wie manch einer vielleicht schon gemerkt hat, bin ich kein großer Fan von KI, besonders, wenn es um generierte Bilder geht. Für Social-Media, insbesondere Instagram, sind ansprechende Hintergründe (die nicht zu sehr nach Stockfoto-Standardpalette aussehen) ein großer Pluspunkt. Und da dieser Newsletter hier Wörterwald heißt, dachte ich mir, warum nicht den Wald als Hintergrund?
Die Natur liefert, gerade hier im Spessart wunderschöne Motive und mit Hilfe meiner Freundin habe ich bereits einige vielversprechende Bilder zur Auswahl (sie hat definitiv den besseren Blick für schöne Motive).

Wörtersaat
Projekt 1: Der Wald der Padan
Zwischenstand: wird 2026 veröffentlicht 🥳😍
Wer die große Nachricht verpasst hat: Mein Roman Der Wald der Padan wird veröffentlicht!
Alle genauen Infos zu Cover, Release-Datum, etc. kommen in den nächsten Wochen und Monaten. Ihr dürft gespannt sein!
Projekt 2: Sintara-Trilogie
Zwischenstand: 10.814 Wörter 💪
Der Januar begann mit viel Motivation und das spiegelt sich in den geschriebenen Wörtern wieder. Ich hoffe, ich kann mein monatliches Ziel (8.500 Wörter) aufrecht erhalten, während ich an der Überarbeitung von Der Wald der Padan sitze. Die nächsten Monate könnten anstrengend werden, weil zusätzlich zur Überarbeitung in Februar und März sehr viel bei mir auf der Arbeit anfällt. Gut, dass ich im Januar einen kleinen Vorsprung aufbauen konnte 😄
Projekt 3: Kurzgeschichten
Nicht mal zwei Monate im neuen Jahr und ich muss meine Aussage von vor wenigen Wochen revidieren. Ich wollte erstmal keine Kurzgeschichten mehr schreiben aufgrund von Zeitmangel, aber ich bin über eine Anthologie gestoßen, die sich sooo gut anhört. Und zufällig passt eine meiner Short Story Ideen (ja, ich hab ne ganze Liste davon) perfekt dafür. Deadline für die Einreichung ist im Mai, also werdet ihr hier unter Projekt 3 in Zukunft erfahren ob ich die Zeit dafür gefunden habe oder nicht 😄
So viel von mir für diesen Monat. Ich wünsche euch eine schöne Zeit und übertreibt’s beim Fasching/Karneval nicht allzu sehr.
Danke fürs Lesen und bis bald!
Marcel

